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Blog über Narzissmus in Beziehungen und Gesellschaft

Dem Schrecken ein Ende setzen

Ende der transgenerationalen Vererbung von Traumata

Transgenerationale Vererbung von Traumata bei psychischem und körperlichem Missbrauch in Familien

Wenn über transgenerationale Vererbung von Traumata oder generationenübergreifende Traumatisierung gesprochen wird, beinhaltet das meistens die Traumatisierung durch gesellschaftliche Gräuel wie Krieg oder Diktatur, die in die nächsten Generationen vererbt werden. Die Folgen dieser Traumatisierung sind psychischer und körperlicher Natur, sogenannte Volkskrankheiten einer Generation können durchaus damit in Zusammenhang gebracht werden.

Christa Wolf schreibt dazu in Ihrem Buch „Kindheitsmuster:

„Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd.“ 

In dem Buch erzählt Christa Wolf die Geschichte einer Frau, die in der Zeit des Nationalsozialismus und des zweiten Weltkrieges aufgewachsen ist und nach dem Krieg aus ihrer Heimat flüchten musste. Sie beschreibt die schwere Verletzung der Psyche durch die unvorstellbar grausamen Erlebnisse des Krieges und der Flucht, die Auswirkungen der Traumata bis ins Erwachsenenalter und die mögliche Weitergabe an die eigenen Nachkommen. Christa Wolf benutzt die Begriffe „Trauma“ und „Traumatisierung“ nicht. Das war damals noch kein großes Thema.

 Obwohl Pierre Janet seine Gedanken zu Dissoziation und Traumatisierung schon 1889 formulierte, wurde das Thema in weiten Kreisen Psychologie und Psychotherapie lange nicht beachtet. Die Diagnose PTBS beispielsweise wurde erst durch die Arbeit Bessel van der Kolks in den 1980iger Jahren mit Kriegsveteranen in den USA möglich. Und die Diagnose komplexe PTBS gibt es es seit 2020 im ICD 11. Vorher gab es diese Diagnose nicht.

 Frühestens Anfang des 21.Jh. hat der Begriff Trauma eine weitere Verbreitung und Akzeptanz gefunden. Das Phänomen Trauma befindet sich mitten in der Erforschung. 

Psychischer Missbrauch ist traumatisierend

transgenerationale Vererbung von Traumata

Erst langsam wächst die Erkenntnis darüber, dass auch psychischer Missbrauch traumatisierend wirkt. Es gibt immer noch viele Therapeuten und Psychologen, die psychischen Missbrauch oder auch passiv-aggressive Verhaltensweisen wie Silent Treatment in Partnerbeziehungen und toxischen Familiensystemen nicht ursächlich mit der Entstehung von Traumata in Verbindung bringen. Da hören die Opfer solchen Verhaltens dann so empathische Kommentare wie:

 „Ein bisschen sind Sie ja auch selbst schuld oder?“ „Das war bestimmt nicht so gemeint“

Schwere Traumata sind im Körper und im Verhalten der traumatisierten Person nachweisbar. Sie verändern sogar das Erbgut. Man nennt das auch epigenetische Traumavererbung.

Eine transgenerationale Vererbung von Traumata erfogt hauptsächlich dann, wenn die Traumata totgeschwiegen werden. Das ist sowohl bei kollektiven Traumatisierungen durch Krieg, Diktatur, Genozid etc., als auch bei den traumatischen Erfahrungen einzelner Menschen der Fall. Als erstes muss der Schrecken benannt werden können. Dann kann man weiter daran arbeiten.

Vererbung von Narzissmus und Psychopathie in toxischen Familiensystemen

Auch in toxischen Familiensystemen gibt es diese transgenerationale Vererbung von Traumata. Psychopathie und Narzissmus werden oft  über viele Generationen vererbt und mit ihnen die durch sie erzeugten Traumatisierungen.  Sowohl durch die Veränderung des Erbguts, hervorgerufen durch Traumatisierung, als auch durch das Schweigen. Früher, und jetzt auch noch viel zu häufig, wurde über Missbrauch nicht gesprochen. In der Familie herrschte Angst vor dem Missbraucher. Die Angst,  sowie die Angst vor Strafe und Ausgrenzung und Scham und Schuldgefühle bei den Opfern verhindern, dass über die schrecklichen Erlebnisse gesprochen wird

Außenstehende „ging das nichts an“. So bleibt das System geschlossen, psychischer und körperlicher Missbrauch ist grausame Normalität.

Und weil die schrecklichen Gefühle der Kindheit als normal empfunden werden, reinszenieren nachfolgende Generationen die Zustände immer wieder neu. 

Weil der Missbrauch als normal empfunden wird, stellen Mütter ihre Kinder Pädophilen zur Verfügung.

Weil der Missbrauch die normale Realität ist, setzt sich psychischer Missbrauch, dissoziales und narzisstisches Verhalten in der nächsten Generation fort. Kinder leben die kranken Muster ihrer Eltern in ihren Beziehungen weiter.

 Weil Abwertung, Ausgrenzung und Gewalt als normal empfunden werden, zeigen Kinder im Kindergarten und in der Schule, sowie später als Erwachsene diese Eigenschaften in der Gesellschaft und werden zu Soziopathen, die so handeln wie sie handeln, weil sie das als normal gelernt haben. Und durch ihr Handeln traumatisieren sie während ihres Lebens andere Menschen, die diese Erfahrungen ebenfalls weitergeben.

 Das Bild des Steins, den man in die Mitte eines Teichs wirft und der Wellen bildet, die über den ganzen Teich bis ans Ufer laufen, verdeutlicht diesen Mechanismus ganz gut.

Die transgenerationale Vererbung von Traumata durch Narzissmus und Missbrauch stoppen

Wer eine toxische Beziehung beendet und dann sich und seine Kinder aus dieser Situation in Sicherheit bringt, hat die Möglichkeit, ein manchmal über viele Generationen existentes toxisches Familiensystem aufzulösen. 

Wenn die missbräuchliche Tradition nicht weitergegeben wird und die Kinder, als letztes Glied in der Kette des Missbrauchs, wieder eine Normalität kennenlernen, die von Liebe, Zuneigung, Fürsorge, Rücksichtnahme, Spiel und Unterstützung geprägt ist, dann werden sie das weitergeben und nicht die schreckliche Normalität einer von Missbrauch und Narzissmus geprägten Familie.

Wer beschließt, sich vom Missbrauch zu befreien und sich seine Kinder davor zu schützen, der kann einer  langen Tradition des Schreckens ein Ende setzen.

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Sandra Neurohr & Arne Salisch

systemischer Coach und psychologische Beraterin

Heilpraktiker für Psychotherapie

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