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Blog über Narzissmus in Beziehungen und Gesellschaft

Eine toxische Beziehung beenden- die Entzugsphase

toxische beziehung beenden

Es gibt so viele Artikel darüber…mal sind es 5 wichtige Punkte mal 12 Tipps und ein anderes Mal 17 Schritte, die angeblich nötig sind, wenn man eine toxische Beziehung beenden will. Kaum jemand schreibt aber darüber, warum es so schwierig ist und warum es immer wieder Rückfälle gibt.

Warum fällt es so schwer, sich zu lösen? Und worauf müssen Sie achten, wenn Sie eine toxische Beziehung beenden wollen?

Die Entzugsphase

Die Entzugsphase heisst so, weil man sich wirklich auf einen Drogenentzug begibt, wenn man eine toxische Beziehung beenden will.

Machen Sie sich als erste bewusst, dass ihre emotionale Abhängigkeit nicht eingebildet oder „rein psychisch“ ist. Es hat auch nichts mit Schwäche zu tun, wenn Sie immer wieder den Drang verspüren, Kontakt zu Ihrem ehemaligen Partner aufzunehmen. Schließlich war irgendwann mal Liebe da, es war dieses Gefühl der Geborgenheit und des Vertrauens, dass man so gerne wieder erleben möchte. Emotionale Abhängigkeit hat chemische Grundlagen. Genauso wie eine Drogensucht oder Alkoholabhängigkeit. Man sollte emotionale Abhängigkeit zu einem Partner, der einem nicht guttut, in die Kategorie der nicht stoffgebundenen Süchte aufnehmen. Denn es ist eine Sucht. Und genauso muss man damit umgehen.

entzugsphase

Am Anfang steht die Entscheidung

Am Anfang steht die Entscheidung. Sie haben erkannt, dass Ihnen und Ihrem Partner die Beziehung nicht guttut und wollen diese toxische Beziehung beenden. Und diese Entscheidung muss immer wieder bekräftigt werden. Genauso, wenn man aufhört, zu rauchen, Alkohol zu trinken oder Drogen zu nehmen. Es ist nicht möglich, nur ein bisschen Heroin zu nehmen und zu denken, man sei nicht mehr süchtig.

Deswegen ist es so wichtig, jeden Kontakt zum toxischen Expartner zu vermeiden

Leider sind viele Menschen sind gezwungen, zum toxischen Partner den Kontakt aufrecht zu erhalten, weil gemeinsame Kinder da sind, weil sie durch gemeinsamen Besitz miteinander verbunden sind oder durch andere Dinge. Denen bleibt nur, den Kontakt soweit wie möglich zu reduzieren und die Grey Rock Methode anzuwenden

Wenn es also möglich ist, den Kontakt ganz abzubrechen, dann sollten Sie das wirklich tun. Denn es gibt kein Happy End. Im Laufe der beratenden Tätigkeit und therapeutischen Arbeit habe ich es äußerst selten erlebt, dass eine On-Off Beziehung irgendwann stabil wurde und die Partner glücklich waren. Es gab meistens immer nur eine schlimmere Neuauflage des Dramas.

Abhängigkeit durch körpereigene Stoffe

Beispielhaft seien hier einige körpereigene Stoffe und Mechanismen genannt, die verantwortlich sind für emotionale Abhängigkeit:

  • Oxytoxin.  Das Bindungshormon, wird ausgeschüttet, wenn das Kind auf der Brust der Mutter liegt und trinkt, ebenso in Momenten großer Intimität zwischen zwei Menschen. Oxytoxin wird aber auch bei Traumatisierung ausgeschüttet und beeinträchtigt gleichzeitig die Gedächtnisleistung. Das Opfer des Missbrauchs vergisst die Einzelheiten  und fühlt sich gleichzeitig an den Täter gebunden.
  • Dopamin. Unser Gehirn hat die Tendenz, wie ein Dealer zu agieren. Wir erinnern uns an die schönen Momente der Beziehung und durch die entstandenen Bilder schüttet das Hirn gleich etwas Dopamin aus. Wie ein Dealer, der an der Strassenecke steht und seinen Kunden Probepackungen Heroin zum Sonderpreis anbietet. Weil sich das so gut anfühlt, wollen wir mehr.
  • Peptidabhängigkeit. Die Sucht nach schrecklichen Gefühlen. Wenn wir in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen sind und Missbrauch, Vernachlässigung und Ausgrenzung erleiden mussten, gewöhnen wir uns daran. Das Schreckliche wird zur Normalität. Die Wissenschaftlerin Candace B. Pert beschreibt, dass unser Gehirn für jeden emotionalen Zustand bestimmte Eiweißbausteine, Peptide, ausschüttet, die von den Körperzellen aufgenommen werden. Der Körper verlangt dann nach diesen Stoffen, weil er das Schreckliche, das für ihn normal ist, immer wieder erleben will. So reinszenieren wir in toxischen Beziehungen die schlechten Gefühle, die wir in der Kindheit erlebt haben und als normal empfunden haben.

Körpertherapeutische Verfahren

Körpertherapeutische Verfahren spielen eine wichtige Rolle beim Überstehen der Entzugsphase und bei der Heilung der Folgen toxischer Beziehungen. Im Blogartikel Therapie für Opfer von Narzissten sind einige Verfahren schon beschrieben. 

Es gibt keine Traumaheilung ohne dass der Körper mit einbezogen wird.

“Verkörperter Schrecken” heißt ein Standardwerk der modernen Traumatherapie. Bessel van der Kolk beschreibt darin anschaulich die Zusammenhänge zwischen Körper und Psyche bei Traumatisierungen.

 Da es sich bei toxischen Beziehungen um traumatische Erfahrungen handelt, sind seine Erkenntnisse  auf den Bereich der toxischen Beziehungen genauso anwendbar wie auf anderweitig erworbene Traumata. Leider gibt es noch nicht sehr viele Therapeuten, Psychologen oder Psychiater, die Verhaltensweisen wie Silent Treatment oder Stonewalling als traumatisierend anerkennen

Unterstützung durch das soziale Umfeld

Unterstützung durch das soziale Umfeld ist in der Entzugsphase ebenfalls von entscheidender Bedeutung. Seien Sie glücklich, wenn Sie noch Freunde oder Verwandte haben, mit denen Sie reden können. Selbsthilfegruppen sind auch sehr hilfreich. Wenn es bei Ihnen keine gibt oder diese keine neuen Teilnehmer aufnehmen können, dann gründen Sie selbst eine. Oder einen Gesprächskreis. Das ist einfach. Suchen Sie einfach Menschen mit ähnlichen Erfahrungen und treffen sich mal. Das ist ganz einfach. Durch das Gespräch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, gewinnen Sie an Sicherheit. Ihre Wahrnehmung wird bestätigt. Sie sind nicht verrückt oder der schuldig. Diese Erkenntnis hilft sehr, wenn man eine toxische Beziehung beenden will.

Begleitung und Coaching während der Entzugsphase

Manchmal ist es unerlässlich, Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen, wenn man eine toxische Beziehung beenden will. Sonst fällt man immer wieder zurück und die Entzugsphase wird quälend lange. Wenn man keine guten Freunde hat, die jederzeit für einen da sind, und einem helfen, die schwere Zeit zu überstehen, dann kann es nötig sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um sicher durch die Entzugsphase zu kommen und stabil zu werden.

Fragen Sie uns, wir begleiten Sie gerne mit einem individuellen Coaching bei der Bewältigung des Entzuges vom toxischen Partner.

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systemischer Coach und psychologische Beraterin

Heilpraktiker für Psychotherapie

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