Fachbegriffe aus Psychologie und Psychotherapie: einfach erklärt
Trauma, Resilienz, Coping, emotionaler Missbrauch: Hier erklären wir Begriffe, die Ihnen bei toxischen Beziehungen und narzisstischem Missbrauch begegnen können, und helfen bei der Orientierung in der Therapiesuche.
Wichtige Fachbegriffe bei toxischen Beziehungen
Klicken Sie auf einen Begriff, um die Erklärung aufzuklappen. Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Blog.

Angststörung
Angststörungen sind eine typische Folgeerscheinung toxischer Beziehungen oder Partnerschaften mit Narzissten und anderen Menschen mit stark dysfunktionalen Persönlichkeitsanteilen. Während Furcht eine normale Reaktion auf Gefahr und Bedrohung ist, sind Angststörungen psychische Erkrankungen. Im Zusammenhang mit Narzissmus entwickelt sich bei Betroffenen häufig eine generalisierte Angststörung.
Der Begriff Angststörung bezieht sich auf alle psychischen Erkrankungen, die mit Angst verbunden sind:
- Panikattacken
- Generalisierte Angststörung, die sich in diffuser Angst mit Besorgnis über alltägliche Dinge äußert
- Phobien: eine irrationale Angst vor Dingen oder Situationen
Copingstrategien
Vom englischen „to cope“ – bewältigen. Der Begriff bezeichnet den Umgang eines Menschen mit außergewöhnlichen Belastungssituationen, mit beängstigenden und überfordernden Ereignissen im Leben. Copingstrategien lassen sich unterschiedlich klassifizieren, zum Beispiel in adaptiv und maladaptiv.
- Adaptive Copingstrategien sind Handlungen, die die belastende Situation verbessern und zur Lösung des Problems führen.
- Maladaptives Coping ist das Erdulden oder die Unterwerfung unter die Situation, die Vermeidung in Form von Rückzug und die Überkompensation, also ein Verhalten, als sei nichts passiert.
Eine weitere Unterscheidung ist problemfokussiert und emotionsfokussiert: Wird das Problem direkt angegangen, oder beschäftigt sich die betroffene Person mit den Gefühlen, die damit verbunden sind?
Mehr dazu im Blogartikel Copingstrategien für Opfer von Narzissten.
Dunkle Nacht der Seele
Die dunkle Nacht der Seele ist der Titel eines Gedichtes des christlichen Mystikers und Karmelitermönchs Johannes vom Kreuz. Das Gedicht beschreibt, wie er nach langer Dunkelheit in Kerkerhaft das Wesen Gottes erkennt, und wird als Metapher für einen Transformationsprozess verwendet. Hier geht es zum Blogpost Die dunkle Nacht der Seele.
Emotionaler Missbrauch
Emotionaler Missbrauch ist ein Merkmal toxischer Beziehungen. Die übergriffige Person ist in der überlegenen Position, benutzt und manipuliert das Opfer gegen dessen Willen, das allmählich die Fähigkeit verliert, sich zu wehren. Synonyme sind psychische Gewalt und emotionale Misshandlung.
Emotionaler Missbrauch ist schwer nachzuweisen, weil er auf der psychischen Ebene stattfindet und für Außenstehende kaum zu bemerken ist. Betroffene fühlen sich oft allein. Er kann in der Familie, der Partnerschaft, der Arbeitswelt und im Freundeskreis vorkommen. Gaslighting ist eine besonders schwere Form. Die Folgen können gravierend sein, bis hin zu Traumata und psychosomatischen Erkrankungen. Unter Umständen ist psychischer Missbrauch strafbar.
Neuroplastizität
Neuroplastizität ist die andauernde Fähigkeit des Gehirns, seinen Aufbau und seine Funktion zu verändern, um auf neue Reize zu reagieren. Das Gehirn ist durch Training veränderbar. Das ist die Grundlage vieler therapeutischer Techniken. Mehr über Neuroplastizität im Blogpost.
Resilienz
Resilienz bedeutet Widerstandskraft. Der Begriff stammt aus der Werkstoffkunde: Materialien, die nach äußerer Einwirkung von selbst ihre ursprüngliche Form wieder annehmen, sind resilient. In der Psychologie versteht man darunter die Fähigkeit, Krisen zu überstehen und an ihnen zu wachsen.
Manche Menschen erscheinen von Natur aus resilienter als andere. Ein gutes soziales Umfeld in der Kindheit fördert Resilienz, frühkindliche Traumatisierung erschwert sie. Laut einer Langzeitstudie der Psychologin Emmy Werner können sich aber auch Kinder aus schwierigen Verhältnissen gut entwickeln, wenn sie eine Bezugsperson außerhalb des dysfunktionalen Systems haben.
Resilienz kann man lernen. Häufig gelingt das nicht allein, sondern mit Unterstützung von Familie, Freunden oder einer professionellen Begleitung.
Ressourcen
In belastenden Lebenssituationen vergessen wir meist, welche Kraftquellen und Fähigkeiten wir haben. Das sind Ressourcen. Jeder Mensch hat mehr davon, als ihm bewusst ist.
Interne Ressourcen sind zum Beispiel Charakter, Motivation, Emotionen, Bildung sowie mentale, emotionale und praktische Fähigkeiten, außerdem biografische Ressourcen wie bewältigte Schwierigkeiten, stärkende Erlebnisse und Erfolge.
Externe Ressourcen sind zum Beispiel Materielles wie Einkommen, Wohnung oder Auto und soziale Ressourcen wie Freunde, Familie, Kollegen, Nachbarn, Vereine, Beratungsstellen und Ämter.
Trauma
Ein psychisches Trauma ist eine seelische Verletzung, die durch ein überwältigendes Ereignis ausgelöst wird, das für die betroffene Person eine Bedrohung darstellt. Auch wer Zeuge einer Gewalttat oder eines Unglücks wird, kann traumatisiert werden. Ob ein Ereignis traumatisch wird, hängt weniger vom Ereignis ab als davon, wie es verarbeitet werden kann. Wenn Kampf (fight) und Flucht (flight) nicht möglich sind, erstarrt der Mensch (freeze), und das Nervensystem speichert das Erlebnis als traumatische Erfahrung.
Unterschieden werden das Typ-1-Trauma (Schocktrauma) durch ein einmaliges Ereignis und das Typ-2-Trauma durch sich wiederholende Ereignisse wie fortgesetzten Missbrauch. Das Bindungstrauma entsteht durch fortgesetzten Missbrauch in der Kindheit. Auch die andauernde Belastung in einer toxischen Beziehung kann traumatisierend wirken.
Kumulatives Trauma
Von einem kumulativen Trauma spricht man, wenn ein Mensch fortwährend Belastungen ausgesetzt ist, die einzeln keine traumatisierende Erfahrung sind, in der Summe aber nicht mehr zu bewältigen sind. In toxischen Beziehungen kommt es häufig zu einem kumulativen Trauma bei der unterlegenen Person.
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